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VolkswagenStiftung: Hochdotierter Grant für LMU-Wissenschaftlerin

31.03.2026

Dr. Annie Chan, Assistant Professor am Department für Asienstudien der LMU, ist im Rahmen des Programms „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes‑ und Kulturwissenschaften“ ausgezeichnet worden.

Für ihr Projekt einer Rekonstruktion räumlicher Verhaltensmuster in frühen Städten Zentralasiens mithilfe generativer KI wurden ihr Fördermittel in Höhe von über 400.000 Euro zugesprochen. Die Summe soll die Forschungsarbeiten unterstützen, die im Herbst dieses Jahres beginnen sollen. Die Arbeit wird in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Puay Peng Ho an der National University of Singapore und Ye Zhang an der Tsinghua University, China, durchgeführt, wobei die institutionelle Anbindung festgelegt wird.

„Im Moment richtet sich die Aufmerksamkeit aller auf die KI, aber ich glaube, dass es viel entscheidender ist, wie die Geisteswissenschaften die Wellen dieser technologischen Veränderungen in der Wissensproduktion meistern“, sagt Annie Chan. „Ich freue mich darauf, durch dieses Projekt – natürlich neben der Archäologie antiker Städte – zu erfahren, wie wir mutigere und wirkungsvollere Fragen stellen können, indem wir die Schnittstelle zwischen den Geisteswissenschaften und der KI stärken.“

Diese Förderinitiative von Volkswagen, sagt sie, komme genau zum richtigen Zeitpunkt, denn sie fordere genau diese Strategie der „Öffnung“ und eine Denkweise, die man angesichts der Herausforderungen unserer Zeit annehmen sollte. „In unserem Projekt entwickeln wir innovative Techniken, um antike städtische Umgebungen besser rekonstruieren zu können, aber als Mittel, um die Erforschung dessen zu vertiefen, was grundlegend menschlich ist – nämlich wie die von uns geschaffenen gebauten Räume unsere Evolution geprägt haben.“

Dr. Annie Chan steht in antiker Steinruine mit Bogenfenster, trägt dunkle Jacke und hält Tablet, warmes Sonnenlicht

Dr. Annie Chan

© privat

Neue Einblicke in die sozialen Dynamiken früher urbaner Lebenswelten

In dem Projekt werden die Forschenden untersuchen, wie generative KI die interpretativen Möglichkeiten von Archäologinnen und Archäologen bei der Erforschung antiker bebauter Umwelten erweitern kann. Ziel ist es, Muster von Bewegung, sozialem Verhalten und Raumnutzung in antiken Städten aufzudecken, indem Merkmale rekonstruiert werden, die im archäologischen Befund verborgen oder nur teilweise erhalten sind. Dadurch sollen neue Einblicke in die sozialen Dynamiken früher urbaner Lebenswelten gewonnen werden.

Im Zentrum des Projekts steht der Einsatz von Machine-Learning-Modellen, darunter sogenannte Generative Adversarial Networks, kurz GANs, die mit archäologischen Lageplänen trainiert und mit multimodalen Daten – darunter unter anderem Zeichnungen, Texte oder Fotografien – aus sechs gut dokumentierten frühen urbanen Fundorten Zentralasiens konditioniert werden.

Die ausgewählten Orte zeichnen sich durch lange Siedlungsgeschichten und vielfältige architektonische Formen aus. Die Modelle werden simulierte und synthetische Siedlungslayouts generieren, um architektonische Merkmale und räumliche Anordnungen zu rekonstruieren, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

Mithilfe konfigurativer und netzwerkanalytischer Verfahren werden Bewegungen und soziale Verhaltensweisen innerhalb der generierten Layouts visualisiert und simuliert, um kulturspezifische Muster dieser antiken Fundorte zu erschließen. Nach einer Validierung und Überarbeitung durch Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler werden die Modelle eingesetzt, um Gebäudedaten für weitere Fundorte zu generieren und so zu zeigen, dass die Methode skalierbar ist.

Über die Erforschung des Potenzials von KI in der archäologischen Forschung hinaus wird das Projekt auch lokale Akteurinnen und Akteure sowie Gemeinschaften an den untersuchten Fundorten einbeziehen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass KI-basierte Methoden und Ergebnisse für den Kulturerhalt nutzbar und zugänglich sind und zugleich zum Aufbau technologischer Kompetenzen beitragen.

Förderung der Geistes- und Kulturwissenschaften

Das Förderprogramm „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes‑ und Kulturwissenschaften“ der VolkswagenStiftung unterstützt Forschungsteams, die neue und bislang wenig erforschte Themenfelder in den Geistes- und Kulturwissenschaften sowie den theoretischen Sozialwissenschaften erschließen. Gefördert werden besonders innovative und explorative Projekte, die komplexe Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen.

Die Projekte können bis zu eineinhalb Jahre laufen und mit bis zu 300.000 Euro bei zwei Partnern beziehungsweise 400.000 Euro bei drei Partnern gefördert werden. Ein gewisses Projektrisiko ist ausdrücklich vorgesehen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Thema tatsächlich neue Forschungsräume eröffnet und noch kein bereits etabliertes Forschungsfeld darstellt.

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